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Alice Soiné

Interfacing-Imaginationen: Visionen von Unmittelbarkeit im Kontext techno-organischer Sensibilitäten


Der Zweck, welcher der Schnittstelle zugeschrieben wird, verändert sich: Im Modus erhöhter Unmittelbarkeit durch intensiviertes Erleben artikuliert sich die Möglichkeit, zu Bereichen des Physischen durchzudringen, deren Erfahrbarkeit vormals stärker limitiert war. Bei dieser Überbrückung von Distanzen wird eine Überschreitungsdynamik aktiv, die Verschmelzung zum Ziel hat, von der aber zugleich eine Grenzziehung ausgeht. Dieses Spannungsfeld aus Überschreitung und Grenze (oder Limit), aus Distanzüberwindung und -herstellung im Modus des verbesserten Zugangs durch technologisch erweiterte Sinne ist das Zentrum der geplanten Auseinandersetzung. Dabei befrage ich Narrative eines trans- und posthumanistischen Diskursfeldes nach den durch sie transportierten Imaginationen von Schnittstelle(n) als Mittel technologischer Überschreitung. An die Untersuchung von Darstellungen der sinnlich-sensorisch evozierten Unmittelbarkeit in einem technologisch unterfütterten, aber unbemerkt operierenden Kontext, sollen Fragen nach den Implikationen solcher Verschiebungen für den Interface-Diskurs angeschlossen werden. Dazu extrahiere ich zunächst jenes Schema, in dem eine angenommene Distanz zwischen den Sphären technologisch verringert oder gar überwunden wird, als eines, das zwar stetig mitschwingt, aber unartikuliert bleibt. Dieses Schema untersuche ich dann hinsichtlich seiner grundlegenden Prämissen sowie der Strömungen, die diese Prämissen maßgeblich formten, wobei ich mich auf die der Verkörperung und die des Informationsflusses beschränken werde. Genealogisch sollen dabei die theoretischen Spuren nachverfolgt werden, die die Reorganisation von Interaktion in einem Szenario totaler Vernetzung markieren. Mit der Denkfigur des Zwischen versuche ich schließlich zu zeigen, inwiefern das Ziel einer Verschmelzung disparater Sphären im Kontext von Ambient, Pervasive und Ubiquitous Computing theoretisch auf einer Grenzziehung basiert, die selbst technologisch verfügbar gemacht wird. So scheint per technischer Intervention eine Zone hybrider Sensibilitäten errichtet, von der aus das Zusammenführen steuerbar sein soll. Dieses Szenario eines besetzten Zwischen als Scharnier zwischen den Welten mit der Funktion einer gezielten Verschnittstellung kontrastiere ich mit der Offenheit eines Zwischen als Schwellenzustand, als Transitzone, mit einer inbetweeness der Übergänge also, die nicht verfügbar gemacht werden kann.


Kurzbiographie
Alice Soiné, geboren 1987. Studium der Europäischen Kultur und Ideengeschichte, Multimedia am KIT Karlsruhe, der Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Master-Arbeit zu Interface. Mit-Herausgeberin des Online Journals Interface Critique.