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Florian Goldmann

Modeling Catastrophe. Verortung des Maßlosen


Die künstlerisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung untersucht den Gebrauch von Modellen zum Gedenken an sowie zur Darstellung, Vermittlung und Vorhersage von Katastrophen. Sowohl physische Miniaturmodelle als auch digitale Visualisierungen und Animationen sollen berücksichtigt werden.

Der Begriff Katastrophe meint ein plötzliches, unmittelbares Ereignis der Zerstörung, eine Inversion des Status Quo mit nicht zu bewältigendem Schadensausmaß. Der Begriff Modell – dem Lateinischen modulus, dem Diminutiv von modus, wörtlich „Maß“, entlehnt – kann eine Vielzahl an Dingen bezeichnen, die als Werkzeuge benutzt werden, um etwas zu beschreiben. Durch Analogiebildung und Idealisierung, Reduktion und Vereinfachung ermöglichen sie die Darstellung und Vermittlung komplexer Sachverhalte. Von der Etymologie beider Begriffe lässt sich ableiten, dass ein maßloses Katastrophenereignis im Modell maßstabsgetreu darstellbar ist. Demnach könnte man es, entgegen seiner Maßlosigkeit, eingrenzen und lokalisieren. Man könnte es sozusagen (be-)greifbar machen.

Katastrophenmodelle sind Rekonstruktionen vergangener, Erläuterungen gegenwärtiger sowie Vorhersagen zukünftiger Ereignisse. Während prognostizierende Darstellungen immer auch Rekonstruktionen vergangener Ereignisse sind, ist allen Katastrophenmodellen gleich, dass sie ein Vor und ein Nach dem Katastrophenereignis implizieren. Weiterhin besitzen sie eine räumliche Dimension: Sie weisen der Katastrophe einen Ort zu.

Anhand verschiedener Beispiele soll untersucht werden, wie sich das Maßgeben in der Darstellung äußert. Kontextabhängige Gestaltungsentscheidungen sowie spezifische Codes sollen ermittelt werden. Methodische Schwerpunkte liegen dabei auf der Beobachtung und der audiovisuellen Dokumentation derjenigen, die Modelle professionell nutzen. Ein multimediales Format soll entwickelt werden, welches die multiplen Bedeutungsebenen des Begriffs Katastrophenmodell aufgreift und anhand der recherchierten Beispiele in Beziehung setzt.

Kurzbiographie

Florian Goldmann studierte Bildende Kunst mit den Schwerpunkten Bildhauerei und Neue Medien in Edinburgh, Athen und Berlin. 2012 schloss er sein Studium an der Universität der Künste mit der Veröffentlichung „Flexible Signposts to Coded Territories“ (AKV Berlin/2012) ab, einer Erörterung der Möglichkeit, Fußballfan-Graffiti in Athen als fluides Leitsystem zu nutzen.

Aktivitäten im Zeitraum des Stipendiums am ZeM

Publikationen Aufsätze

Florian Goldmann: "Risk as Immaterial Raw Material". In: Technosphere magazine, Haus der Kulturen der Welt (HKW) (https://technosphere-magazine.hkw.de/p/56026320-fcc6-11e6-8539-a71a9fe3ebfd)

Vorträge

“Earth Literacy. Globen kalkulierter Katastrophe” im Rahmen von „Nach der ikonischen Wende. Aktualität und Geschichte eines Paradigmas“, Abschlusstagung des Graduiertenkollegs Sichtbarkeit und Sichtbarmachung. Hybride Formen des Bildwissens, 13. bis 15. September 2017, Zürcher Hochschule der Künste.

Ausstellungen

2018 (bevorstehend): Containerscape Neon Foundation, Athen, Griechenland.
2017: Wayfarer Gruppenausstellung Koreanisches Kulturzentrum, Berlin.
2017: Green Room (mit STRATAGRIDS), PiK - Projektraum im KunstWerk, Köln.
2016/17: Width Gap Infinitude (mit STRATAGRIDS), Minibar, Stockholm, Schweden.
2016: Staging Distance (mit STRATAGRIDS), Zeiss-Großplanetarium, Berlin.
2016: Micro City Lab, Indie Art Hall Gong, Seoul, Südkorea.