VERANSTALTUNGEN


Übersicht Forschungs- und Doktorandenkolloquium im WS 2017/18


Das medienwissenschaftliche Forschungskolloquium bietet Promovierenden und Post-Docs die Möglichkeit, ihre aktuellen Promotions- und Forschungsprojekte zu präsentieren und im kollegialen Rahmen zu diskutieren.
Folgende Termine und Vortragende sind für das Wintersemester 2017/18 geplant:
Fr, 15.12., 10:00 - 13:00 Uhr: Kim Albrecht, Sarah Maske
Fr, 12.01., 10:00 - 13:00 Uhr: Zeynep Akbal, Florian Goldmann
Fr, 02.02., 10:00 - 13:00 Uhr: Dr. Anke Steinborn, Sibylle Schulz
Fr, 09.02., 10:00 - 13:00 Uhr: Dr. Lea Wohl von Haselberg, Dr. Natasha Poljakowa


Ort
ZeM – Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften
Hermann-Elflein-Straße 18
14467 Potsdam


Kim Albrecht (Universität Potsdam): Design as (de-)construction of Form
On February, 24 Facebook released a new feature called 'reactions'. Users of the web-service were now able not only to express themselves with the 'like' button but gained five additional nuances: “love,” “haha,” “wow,” “sad,” and “angry.” One unofficial story why this new feature got developed goes back to the black lives matter movement and how Facebook did not show these events in their customer's news feeds because no one ‘liked’ these posts, so the algorithm neglected them. This short example shows us something fundamental about our digital reality. We only make sense of something if we distinguish it. Without being able to express angriness it does not exists in the realm of Facebook. While the distinctions we draw in our everyday life might be fuzzy, the distinctions of the digital are binary. Databases are distinction machines that only allow us to make the differentiation the system is designed for. Information visualization is a medium that stands between these databases and the viewer. It is a powerful apparatus to ‘draw distinctions.' Throughout the talk, I want to unravel the act of drawing distinctions through visualizing data. The design process becomes something different in this context, design as an active act of creating knowledge. By drawing distinctions, the designer creates new ways to see and understand the world.

Sarah Maske (ZeM): Prozessorientierte Ökologische Kunst und Permakultur Design
Ökologische Kunst als Kategorie besteht schon seit langer Zeit. Häufig wird sie im Zusammenhang mit aktivistischen oder aufklärerischen Kunstwerken verbunden, die entweder den Menschen vor der „Natur” oder die „Natur” vor den Menschen zu schützen oder die Positionen zu erklären versucht. Was passiert aber in den immer öfter auftretenden Prozessorientierten Ökologischen Kunstwerken? Parallel zum Diskurs um die Auflösung etablierter Dualismen, neuer feministischer Ansätze und die Verbindung von Kunst und Wissenschaft zeigt sich in den Kunstwerken der Versuch der Findung einer neuen Position des Menschen in, mit und zwischen seiner Umgebung, sowie der Auflösung der Einzelpositionen. Dabei dienen die Kunstwerke als Erlebnis-Medien, die Verbindungen und Schnittstellen sichtbar machen. In den 70er Jahren entwickelten Bill Mollison und David Holmgren das Permakultur Design. Diese Methode wurde entwickelt ein nachhaltiges, im Sinne von einem autark laufenden, „System” herzustellen. Sie wurde abgeleitet aus einem Ökosystem, das nachhaltige Charakteristika aufweist.
Dieser Vortrag stellt neben Prozessorientierten Ökologischen Kunstwerken das Konzept des Permakultur Designs vor und schlägt es als Untersuchungsmethode für Prozessorientierte Ökologische Kunst vor, da es sich bei den Kunstwerken ebenfalls um funktionierende Ökosysteme handelt. Es werden Verbindungen zu Konzepten des Neuen Materialismus diskutiert und überlegt, inwiefern diese in den Kunstwerken und im Permakultur Design zusammenkommen. Vice versa stellt sich anschließend die Frage was die Prozessorientierte Ökologische Kunst für die Weiterentwicklung des Permakultur Designs tun kann, das auf der theoretischen Ebene in den 1970er stehenblieb.


Aktuelle Positionen der Medienwissenschaft


Dr. Tobias Conradi, ZeM
Termin
Do, 14.12., 13:00 - 17:00 Uhr


Ort
ZeM – Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften
Hermann-Elflein-Straße 18
14467 Potsdam


Während der Promotion verläuft ein Großteil des Forschungsprozesses individuell am heimischen Schreibtisch. Zwar bieten Kolloquien und Tagungen die Möglichkeit, Ergebnisse und Thesen der eigenen Forschung im Austausch mit anderen Wissenschaftler*innen zu diskutieren, gerade in den Geisteswissenschaften ist Promovieren aber meist ein einsames Geschäft. Neben dem Verfassen eigener Texte und Vorträge, der Durchführung von Seminaren und der universitären Selbstverwaltung kommt der Austausch über die eigene Lektürepraxis häufig zu kurz. Der Workshop will hier Abhilfe schaffen: In einer kollegialen Atmosphäre sollen die Kenntnisse und Interessen von Promovierenden gebündelt und aktuelle Positionen der Medienwissenschaften diskutiert werden. Getreu dem Motto Bring your own Theories (BYOT) sind alle Promovierenden der am ZeM Brandenburg beteiligten Institutionen eingeladen, Text- und Materialvorschläge einzubringen, mit denen sie sich in ihren Projekten und ihrem Forschungsalltag beschäftigen. Dabei sollen weniger die individuellen Projekte, als vielmehr der Blick auf Konjunkturen im Feld der Medientheorie und Medienkulturwissenschaft im Zentrum stehen. Der Workshop soll auf diese Weise zur sicheren Verortung im Feld beitragen, den gemeinsamen Austausch fördern, eine Vielzahl medienwissenschaftlicher Ansätze und Gegenstände in Dialog bringen und zur stärkeren Vernetzung der in Brandenburg promovierenden Medienwissenschaftler*innen einladen.
Herzlich eingeladen sind alle Promovierenden der Brandenburgischen Medienwissenschaftsstudiengänge. Bei Interesse kann der Workshop auch von fortgeschrittenen Studierenden der Masterstudiengänge besucht werden. Anmeldung: mail@zem-brandenburg.de



WEITERE MELDUNGEN


ZeM ist Mitherausgeber der Open-Access-Zeitschrift Apparatus. Film, Medien und digitale Kulturen in Mittel- und Osteuropa.
Ab November 2017 ist das ZeM Mitherausgeber der digitalen Open-Access-Zeitschrift Apparatus. Film, Medien und digitale Kulturen in Mittel- und Osteuropa. Diese neue wissenschaftliche Zeitschrift publiziert im anonymen Peer-Review-Verfahren Artikel, Forschungsresultate und Rezensionen in den Bereichen Film, Medien und digitale Kulturen mit einem Schwerpunkt für Zentral- und Osteuropa. Die Zeitschrift versteht sich als ein Forum für Kommunikation und internationalen akademischen Austausch. In einer Zeit, in der die Freiheit der Wissenschaft weltweit zunehmend bedroht ist oder beschnitten wird und sich anti-akademische Haltungen ausbreiten, ist die Vernetzung ebenso wie der Zugang zu aktueller Forschung ein hoher Wert, den es über nationale ebenso wie über Disziplingrenzen hinaus zu schaffen und pflegen gilt. Apparatus trägt so zu einer Demokratisierung des Zugangs zum qualitätsgesicherten Publizieren und Rezipieren von Wissenschaft bei. Erklärtes Ziel von Apparatus ist es außerdem einer Ost-West-Spaltung entgegenzuwirken und weltweiten und kostenfreien Zugang zu aktuellen und richtungsweisenden Publikationen in dem überaus spannenden Forschungsgebiet zu ermöglichen. Apparatus fördert in diesem Sinne auch Einbezug und internationale Sichtbarkeit der Forschung von Arbeiten aus und über Mittel- und Osteuropa. Beiträge stammen bisher von Medien- und Filmwissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich, den USA, Großbritannien und Frankreich ebenso wie aus Polen, Tschechien, Russland, den baltischen Ländern, der Ukraine, Ungarn, Kroatien oder Serbien. Apparatus verfügt über eine dreisprachige Benutzeroberfläche (DE-ENG-RU) mit drei Abstract-Versionen und publiziert auch in verschiedenen Sprachen der Region verfasste Beiträge. Die Redaktion wird gemeinsam mit Adelheid Heftberger und Irina Schulzki von Natascha Drubek geleitet. Die Idee zu Apparatus entstand im Kontext einer Heisenberg-Förderung von N. Drubek an der Universität Regensburg. Seit einigen Jahren wird Apparatus von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt und an der Freien Universität Berlin gehostet. Die Zeitschrift veröffentlicht in den zweimal jährlich erscheinenden Ausgaben nicht nur reine Textbeiträge, sondern auch Artikel mit Filmzitaten, Rezensionen und Interviews. In Planung sind auch Audio-Beiträge und audiovisuelle Essays. Ergänzt werden diese Sektionen durch einen Vimeo-Kanal, auf dem die Apparatus-Clips gespeichert und zugänglich gemacht werden. „Revealing the Invisible: Women and Editing in Central and Eastern European Film“ (“Das Unsichtbare enthüllen: Frauen und Montage im mittel- und osteuropäischen Film”) ist der derzeitige Call for Papers, der nach vielfältigen Auseinandersetzungen, historischen Analysen ebenso wie gegenwartsbezogenen Arbeiten sucht, die kritische Perspektiven aus den jeweiligen Forschungsfeldern einbringen. Gasteditorinnen: Adelheid Heftberger und Karen Pearlman.


Dr. Özgür Çiçek ab November als Gastwissenschaftlerin am ZeM
Özgür Çiçek wird ab diesem November für zwölf Monate ihr Visiting Scholarship am ZeM antreten. Nach Studien der Film- und Literaturwissenschaft in Istanbul promovierte Çiçek 2016 an der Binghamton University (USA) mit der Arbeit Kurdish cinema in Turkey: Imprisonment, Memory, and the Archive. Die Arbeit, welche die Entwicklung des kurdischen Films als eigenständige Ästhetik und Memorialpraktik zwischen 1970 und 2016 untersucht, stellt sowohl die Frage nach Ästhetiken des Politischen als auch nach den filmischen Möglichkeiten, eine Politik des Erinnerns zu schaffen. Ausgehend von dem türkisch-kurdischen Filmemacher und Schauspieler Yılmaz Güney, der seine Drehbücher und Filme aus dem Gefängnis heraus schrieb und produzierte, untersucht Çiçek die Verbindungen zwischen literarischer und filmischer Produktion unter den Bedingungen der Inhaftierung. Güney, der aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung mehrfach in der Türkei verhaftete wurde, ist unter anderem für seinen Film „Yol – der Weg“ bekannt, den er aus dem Gefängnis heraus anwies und den er nach seiner Freilassung im Schweizer Exil fertigstellte. Çiçek untersucht darüber hinausgehend Erzählformen und ästhetische Ausdrucksweisen des neueren kurdischen Films, der zwischen Fiktion und Dokumentation ein alternatives Archiv der Erinnerung schafft. Verhandelt werden, laut Çiçek, Nationalität, Grenzziehung und Identitätskonstruktionen ebenso wie Möglichkeiten und Grenzen der Erinnerung. Diese Perspektive, die Çiçek in ihrer Arbeit einnimmt, positioniert sich zu der Staatenlosigkeit und den wenigen schriftlichen historischen Quellen der Kurden: „Due to this condition, Kurdish cinema functions like a memory book, documenting the memories of the characters the films are representing.“ Çiçek spricht daher auch von einer kurdischen Ästhetik, die sich durch eine starke Betonung des vokalen Ausdrucks, der Stimme und des Gesangs auszeichnet.
Der Schwerpunkt ihrer Forschung sowie der kritische Blick auf den Umgang und das Eingreifen der türkischen Regierung in die kurdischen Gebiete des Landes, machen es ihr und ihrer Familie zunehmend unmöglich, ihre Arbeit in der Türkei frei und ungestört fortzusetzen. Unter anderem wurde sie nach der Unterzeichnung der „Academics for Peace“ Petition, welche sich 2016 für den Friedensprozess in den östlichen Kurdengebieten einsetzte, aus ihrer Lehrposition entlassen. Während ihres Forschungsaufenthalts in Potsdam wird Özgür Çiçek die transnationale kurdische Ästhetik sowohl auf ihre stimmlichen wie bildlichen Memorialpraktiken hin untersuchen, in denen Politiken der Repräsentation und des Widerstandes zentral stehen.


Dr. Özlem Savaş ab Dezember als Gastwissenschaftlerin am ZeM
Ab diesem Dezember begrüßen wir Özlem Savaş für ein zwölfmonatiges Research Fellowship am ZeM. Nach einem Studium des Industrial Engineering und Industrial Design in Ankara promovierte Savaş 2008 mit der Arbeit „Taste Diaspora: The Aesthetic and Material Practice of Belonging” an der Universität für angewandte Kunst Wien. In ihrer ethnografisch verfahrenden Dissertation untersucht Savaş die spezifischen Ästhetiken und Politiken der Diaspora auf alltäglichen Handlungs- und Gestaltungsebenen. Die Analyse sozialer und digitaler Medienkulturen sowie Affekt-Politik(en) im Kontext von Migration und Diaspora stehen zentral für Savaş gesamtes akademisches Engagement. „In the broadest sense, my research revolves around yielding ethnographically informed understandings of how the immense social, cultural, historical, and political processes are experienced, negotiated, reproduced or transformed through everyday practices of media.“ Savaş, die Lehrpositionen in Ankara innehatte, gehörte zu den Unterzeichner*innen der „Academics for Peace“ Petition. Der in der Folge ausgeübte Druck auf ihre akademische Karriere und ihre persönliche Freiheit führten sie zum Verlassen der Türkei. Ohne weitere Erklärungen wurden laufende Forschungsprojekte von Savaş, die durch das Türkische Institut für Wissenschaft und Forschung (TÜBITAK) finanziert worden waren, aufgekündigt. Bis Ende November ist Özlem Savaş noch mit einem Bridge Fellowship Teil des Zukunftskollegs der Universität Konstanz am Institut für Literatur. Ihre derzeitige Forschung „Affective digital networks of solidarity and politics of new migrants from Turkey” widmet sich der Bedeutung und Stellung digitaler Medien im Kontext der Diaspora. Dabei fokussiert Savaş besonders auf die der Diaspora eigenen Praktiken der Solidarität und Politik im Kontext digitaler Vernetzung. Als eine der ersten betrachtet diese Arbeit die derzeitige Migration aus der Türkei nach Europa: „I focus on affective and emotional forms and spaces of politics that emerge and operate from digital networks of new migrants from Turkey, with the aim of exploring how flows and repertoires of affects, emotions, and feelings in digital media shape and expand diasporic political horizons and possibilities.“
Als Gastwissenschaftlerin am ZeM setzt Özlem Savaş ihre ethnographische Feldforschung in Potsdam und Berlin fort und verbindet dabei die Analyse affektiver, digitaler Netzwerke von Kontext einer solidarischen Kultur der Diaspora.


Forschungsprojekt Dr. Lea Wohl von Haselberg (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF)
Das Forschungsprojekt „Zwischen Erinnerungskultur und Antisemitismus. Selbstverständnis und Erfahrung jüdischer Filmschaffender in der BRD“ soll anhand exemplarischer Arbeitsbiographien der Film- und Fernsehschaffenden Karl Fruchtmann (1915-2003), Imo Moszkowicz (1925-2011) und Gyula Trebitsch (1914-2005) einen Beitrag zur deutsch-jüdischen Filmgeschichte leisten, das Forschungsfeld ‚Jüdischer Film‘ in Deutschland stärken sowie Aufarbeitung und Analyse jüdischer Erfahrung in der BRD ermöglichen.
Zentral ist dabei der Zusammenhang von jüdischem Selbstverständnis und dem Selbstverständnis als Filmschaffende. Jüdische Erfahrung im deutschen Film- und Fernsehschaffen wird dabei beschrieben und in ihrer historischen Bedingtheit verortet. Es wird ein personalisiertes Modell von Mediengeschichte entwickelt, um gängige Paradigmen der bisherigen Filmgeschichtsschreibung zu hinterfragen – namentlich das narrative Muster, dass es nach der Shoah kein jüdisches Filmschaffen in der BRD mehr gegeben habe, sowie die etablierten Verfahren der Zuschreibung von Jüdischsein. Zur Untersuchung dieser Zusammenhänge ist ein filmhistorisches und zugleich akteurszentriertes Vorgehen zielführend, das biographische und produktionsgeschichtliche Ansätze verbindet. Anhand der exemplarischen Biographien werden die Selbstverständnisse jüdischer Film- und Fernsehschaffender gleichermaßen über ihre biographischen, werkbiographischen und filmgeschichtlichen Kontexte herausgearbeitet sowie die Sprechorte, von denen aus sie sich artikulierten. Für alle drei ist eine intensive Aufarbeitung der Nachlässe notwendig, um die jeweiligen privaten und öffentlichen Positionierungen sowie deren Veränderungen über die Zeit nachvollziehen zu können.