ZeM-NEWS

Call for Papers: Serienforschung und Fernsehwissenschaft

Beitragsvorschläge bis zum 28. Februar 2018


Workshop der AG „Television Studies/Fernsehgeschichte“ der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) in Kooperation mit dem Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) am 8. Juni 2018 in Potsdam

Televisualität ist historisch aufs Engste mit verschiedensten Formen der Serialität verknüpft: Fernsehen lebt in der Gestaltung seines Programms, der Ökonomie seiner medialen Produktion sowie der ritualisierten Form seiner Rezeption von der Wiederholung in Serie. In der Fernsehserie verdichtet sich diese Kopplung zu einer genuinen Objektform: Durch das verlässliche Wiederkehren vertrauter Serienfiguren, den für jede einzelne Serie typischen Modus ihrer filmischen und narrativen Verfahren sowie die Regelmäßigkeit und Permanenz ihrer Verfügbarkeit entstehen Bindungskräfte nicht nur zwischen den einzelnen Folgen einer Serie, sondern auch zwischen Medium und Publika, durch die die Fernsehserie zum Modellfall für die Fernsehtheorie selbst geworden ist.

Mit der Emergenz der Serienforschung als eigenständigem Forschungsfeld hat sich die historisch enge Kopplung von Televisualität und Serialität sowohl hinsichtlich der Theorietraditionen und Epistemologien als auch in Bezug auf Forschungsprogrammatiken in den vergangenen Jahren zunehmend abgeschwächt: Der unverändert hohen (medien-)wissenschaftlichen Beliebtheit von Serien und seriellen Formen steht ein vergleichsweise geringes Interesse an der Theoretisierung des Fernsehens gegenüber. Dies manifestiert sich z.B. in medienneutralen Bestimmungen des Seriellen als ‚transmedialer Erzählform‘ oder im definitorischen Bestreben, das Televisuelle aus der nun ‚audiovisuellen Serie‘ gänzlich zu tilgen. Der Workshop soll daher den Raum für eine wechselseitige wie grundlegende Bestimmung des Verhältnisses von Serienforschung und Fernsehwissenschaft eröffnen: Sind Theorien des Fernsehens jenseits der bloß historischen Verschränkung von Televisualität und Serialität noch von Relevanz für die Erforschung zeitgenössischer Serien und serieller Formen? Inwieweit wäre das Televisuelle möglicher Bezugspunkt für Bestimmungen des Seriellen auch über das Fernsehen hinaus? Gibt es vielleicht gar eine Rekursivität der Fernsehgeschichte, taucht etwa das scheinbar durch narrative Progression verdrängte Episodische des Fernsehens in Form der Anthologieserie wieder auf? Umgekehrt lässt sich aber auch danach fragen, wie die Begriffsbildung der Fernsehwissenschaft auf die Auflösung, Transformation und Vernetzung medialer Dispositive und ihre Einbeziehung in digitale Medienökologien reagieren kann, auf deren analytische Durchdringung just die Serienforschung abzielt. Wie profitiert die Auseinandersetzung mit Televisualität also ihrerseits von einer Begriffsbildung, die sich vorwiegend auf ‚Quality‘-TV, auf die Serienangebote von HBO, Amazon oder Netflix und andere post-televisuelle Akteure und mediale Formen bezieht?

Wie also lässt sich eine etwaige Fernsehvergessenheit der Serienforschung nicht nur problematisieren, sondern produktiv wenden? Und wie lässt sich mit Theorien des Seriellen möglicherweise das terminologische Repertoire der Fernsehtheorie über sich hinausführen?

Vor diesem Hintergrund möchte die AG aktuelle Ansätze für die Erforschung des Seriellen im Fernsehen versammeln, gemeinsam erörtern und dadurch dem Fach neue Impulse für zukünftige Studien verleihen. Die Veranstalter erbitten dazu Vorschläge für Beiträge von jeweils 20 Minuten in Form von Abstracts (max. 250 Wörter) in deutscher Sprache.

Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge bis zum 15. Februar an folgende E-Mail-Adressen:
• herbert.schwaab@ur.de
• dmaeder@uni-bonn.de
• gfm@denis-newiak.de

Wir freuen uns schon auf Ihre Einreichungen!