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»Du musst Caligari (wieder) werden!« – Neue Blicke auf einen bekannten Klassiker


Er gilt als Meilenstein des expressionistischen Films und als Schlüsselwerk des Kinos der jungen Weimarer Republik. Seit Jahrzehnten taucht er regelmäßig in »Top 10«- und »Best Of«-Listen in aller Welt auf. Sein Platz im Kanon der deutschen (Spiel)filmgeschichte ist unumstritten. Jedoch unterlag Das Cabinet des Dr. Caligari bis vor kurzer Zeit einer verzerrten Wahrnehmung, die gravierende Auswirkungen auf das Verständnis und Interpretation des Films hatte: Infolge des legendären Status, den der Film verliehen bekam, ist die wahre Geschichte seiner Entstehung über die Jahre in einem immer dichteren Spinnennetz von Mythen verloren gegangen. Außerdem war der Film – trotz einiger beachtenswerter Restaurierungsanläufe in den 1980er und 1990er Jahren – lange Zeit nur in Kopien und Versionen zu sehen, die bestenfalls ein blasser Abglanz seiner ursprünglichen Pracht waren. Erst 2014 konnte eine Fassung bewerkstelligt werden, die dank verbesserter Materiallage, aktueller Kenntnisse aus interdisziplinären Forschungsprojekten und modernster digitaler Technik der Gestalt und Brillanz des Originalfilms möglichst nahe kommt.

Am Donnerstag, den 8. Februar 2018 stellten im ZeM die Filmrestauratorin Anke Wilkening und der Filmhistoriker Dr. Olaf Brill ihre in Herangehensweise und Ziel unterschiedlichen, jedoch komplementären Arbeiten aus den letzten Jahren vor, die wesentlich dazu beigetragen haben, den Film Das Cabinet des Dr. Caligari und seine Geschichte in neuem Licht sehen zu können.

Im Anschluss an die Vorträge wurde um 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam die 2014 digital restaurierte Fassung von Das Cabinet des Dr. Caligari mit Livemusikbegleitung gezeigt.
Die Veranstaltung fand als Kooperation der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF (Masterstudiengang Filmkulturerbe) mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin statt und wurde vom ZeM gefördert.